Wohlfühlfaktor Adelaide

Auto
traumhaus

Wir haben 27 Grad Außentemperatur, ich befinde mich im angenehm kühlen Wohnzimmer des Hauses in welches wir uns einmieten durften, wir haben ein Auto, einen Job und wahnsinnig tolle Menschen um uns. Es geht uns wirklich richtig gut!

In den letzten drei Wochen Adelaide ist so einiges passiert und ich muss mir beim Ordnen meiner Gedanken Mühe geben nichts auszulassen.

Was wir oder eher ich meinen Eltern jedes Mal beim Telefonieren unterschlagen habe: Einen Tag nach unserer Ankunft in Adelaide gab es ein Erdbeben! Es wurde nichts zerstört, nur ein kleines Beben, welches auch nur ein bestimmter Part von Adelaide zu spüren bekommen hat. Aber das nur am Rande.

Wie ich bereits in meinem vorherigen Beitrag erwähnt habe wurden wir hier auf das herzlichste empfangen und wirklich jeder war bemüht uns irgendwie zu integrieren, was teilweise mit viel Geduld verbunden ist, da wir ja nun doch noch nicht die flüssigsten Konversationen führen können. So haben wir mittlerweile sogar eine Art Stamm-Pub, wo es tolle Gerichte für schlappe 10 Dollar gibt. Außerdem arbeiten wir uns durch die asiatische Küche und die ganzen kleinen australischen Leckereien, wie z.B. Custard Tart (Uns wurde gesagt, dass das neben Donuts ein Lieblingsdessert der Australier darstellt.) oder Rocky Road. Custart Tart ist ein kleines Törtchen gefüllt mit Vanillepudding und mit Zimt bestreut. Dagegen benötigt man zur Herstellung einer „Rocky Road“ Marshmellows, Nüsse, glasierte Kirschen, Kokosnuss und natürlich Schokolade. Wenn ich essen könnte was ich wollte, dann würde ich behaupten, dass ich mich im Himmel befinde. Da ich aber nicht mit 20 Kilo zu viel und einem Herzschaden nach Deutschland zurückkehren möchte, gibt es natürlich auch einiges an gesundem zu futtern. Die große Markthalle in der City von Adelaide bietet dafür die besten Voraussetzungen. Obst, Gemüse, Fleisch, wahnsinnig schmackhafter Käse und Brot, das beinahe an das deutsche herankommt, werden hier angeboten. Wenn man dann noch zur richtigen Zeit, nämlich kurz vor Ladenschluss einkaufen geht, kann man wirklich gute Schnäppchen schlagen. Leider wissen das natürlich alle und im Grunde müsste ich nach knapp 6 Jahren Berlin meine Großstadtkenntnisse – meine Ellenbogen – ausfahren können, aber ich bin letztlich doch diejenige, die von links nach rechts springt, um Platz zu machen. Was auch nicht schlimm ist. Schließlich bin ich nur zu Gast 😉 Allerdings fühlen wir uns beide wirklich heimisch, was sicherlich auch darauf zurückzuführen ist, dass uns Mel und Phil eingeladen haben für ein paar Wochen in ihrem Haus leben zu dürfen. Für 100 Dollar die Woche (was 200 Dollar Ersparnis pro Woche bedeutet) bewohnen wir ein gemütliches Zimmer in einem wunderschönen Haus. Letztens kamen wir in den Genuss unseres ersten australischen Barbecues. Yummy!! Mel und ich haben zwei leckere Salate zubereitet. Ansonsten gab es Fleisch, Fleisch, Fleisch 😉 mit gerösteten Zwiebeln, lecker Brot und verschiedenen Soßen. Für mich gab es Gemüseburger, welcher auch richtig gut war. Insgesamt war es ein wirklich suuuuperlustiger Abend. Alle waren bemüht uns in die Gespräche einzubinden und wir freuen uns jetzt schon auf das nächste „Barbie“.

Natürlich darf es bei dem vielen Spaß auch nicht an Ernsthaftigkeit – Arbeit – fehlen. Was für ein Glück, dass wir durch die Hilfe von Phil bereits nach einer Woche Adelaide einer Catering-Firma auf einem Festival aushelfen durften. Das WOMADelaide (World of Music Festival in Adelaide) findet eigentlich im März 2012 statt, allerdings wurde dieses Jahr ein kleiner Vorläufer in einem Nationalpark gestartet. Wunderschön! Ich habe es wirklich bereut, dass wir an keinen der zwei Tage eine Kamera dabei hatten. Das Festvialgelände war in einem kleinen Tal gelegen, umgeben von den verschiedensten Baumarten und zwei Tagen voller Sonnenschein. Das ganze hatte einen angenehmen Hippiecharme und letztlich ging bei diesem Festival der Traum aller Kulturmanager in Erfüllung. So gut wie alle Zielgruppen waren vertreten! Ganze Generationen hatten sich auf den Weg gemacht, um den Musikern aus aller Welt zu lauschen. Sogar Cate Blanchett hat sich blicken lassen. Nur gut, dass Robert und ich im Backstage-Bereich tätig waren. Er hat in der Küche ausgeholfen (oder manchmal auch komplett allein geschmissen) und ich hab die Bestellungen entgegen genommen, kassiert und versucht auch sprachlich mein bestes zu geben. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich am ersten Tag etwas frustriert war, da wir so viele waren und ich mir völlig fehl am Platz vorkam. Laut werden ist schon in Deutsch nicht meine Stärke, nun musste ich die fertigen Bestellungen ausrufen. Anstatt wir Namen aufschreiben, musste ich „Wagyu Burger“, „Hot Panini“ oder „Chicken Gyros“ grölen. Ich wurde öfter auf meinen „interessanten Akzent“ angesprochen. Der nächste Tag lief dann schon um einiges besser, wobei ich mir sicher war, dass uns Nick nicht wieder wegen einem Job anrufen würde ist das dann doch eingetroffen. Seitdem gehen wir drei/vier Mal die Woche für seine Catering-Firma arbeiten. Das sieht so aus, dass Robi ab und an in der Küche beim Vorbereiten der Speisen hilft oder wir zwei düsen durch Adelaide und stellen das Catering in Büros oder für Privatpersonen. Letztes Wochenende waren wir auf einem 80igsten Geburtstag (in netten Englisch „Double Forty“), um die Speisen Vorort aufzuwärmen und zu servieren. Das Haus ist den Bellevue Heights Adelaide gelegen und einfach fantastisch! Von der Küche aus konnte ich über Adelaide hinweg bis zum Meer blicken, überall Antiquitäten und außerhalb ein Pool. Obwohl mich die Tatsache, dass wir uns hier scheinbar bei vermögenden Menschen befinden abgeschreckt hat, waren ALLE, die Gäste wie auch die Gastgeber, supernett und zuckersüß. Letztlich haben wir sogar 50 Dollar Trinkgeld und ein Küsschen von der Gastgeberin bekommen. WOW!! Warum alle von dem Essen so dermaßen begeistert sind können wir bisher nicht so richtig nachvollziehen. Alles wird frittiert und der Kram aus dem Ofen ist auch nicht wirklich gesund, aber wir müssen es ja nicht essen und solange alle glücklich und zufrieden sind, sind wir es auch.

Das auch ich arbeiten kann haben wir unseren neuen Auto verdanken. Ich glaube schon, dass wir in diesem Fall von Liebe auf den ersten Blick sprechen können. Eigentlich sollte es 4700 Dollar kosten, doch dank des Pokerface von Phils Vater haben wir das Auto für 4300 Dollar + neuen Ölfilter und Bremsbeläge bekommen. Ein Freund von Phil hat das Auto nochmals durchgecheckt und hatte es ebenfalls als gut befunden. Trotzdem musste es zwei Tage später in die Werkstatt. Zum Glück hatten wir genau an diesem Tag eine Art Garantie abgeschlossen und mussten anstatt von knapp 500 nur 130 Dollar zahlen.

Das neuste Ereignis, präsentierte sich vor vier Tagen in Form von Bine. Nun sind wir schon drei und es fehlt nur noch Nummer vier, um unsere Reisegruppe West Australia komplett zu machen. Letzten Sonntag und Montag waren wir drei für einen Freund der „Adelaide-Bande“ tätig. Es war davon die Rede, dass er eines seiner Pubs schließt und wir beim Ausziehen und Putzen helfen können. Wie sich herausstellte war es aber ein wirklich verdammt großes Haus! Wir haben eine halbe Etage ausgeräumt, eine verdammt widerliche Küche geputzt (Danke, dass wir niemals in diesem Pub essen waren) und mehrere Bars, mit freundlicher Unterstützung einiger Schaben. Würgh 😉 Aber auch hier gab es wirklich gutes Geld!

So nun neige ich mich dem Ende. Mit den Wochen kehrt auch so etwas wie der normale Trott ein. Arbeiten gehen, putzen, Wäsche waschen, Essen, Fernsehen, Freunde treffen… Es ist wie daheim, nur das die besonders Lieben fehlen 😉

Liebste Grüße an Alle
Robi & Anja

Ergänzung zum einleitenden Satz. Ich habe gerade meine Flasche „Cloudy Apple Cider“ geleert. Mein neues und absolut schmackhaftes Lieblingsgetränk. Alkoholiker bin ich noch nicht, aber ich versuche wirklich den Australian Way of Life zu leben und der schreibt mir vor ab einer gewissen Außentemperatur Bier zu trinken. Ich habe Bier durch Cider ausgetauscht und ja, es sorgt für Erfrischung 😉

3 Kommentare für “Wohlfühlfaktor Adelaide”

  1. hi ihr beiden.
    also was ich bis jetzt alles in eurem blog gelesen hab macht mich echt bissl neidisch. das schöne wetter und die netten, offenen menschen findet man in deutschland zur zeit einfach nicht (eventuell bis auf zweiteres, was dann aber doch eher selten ist 🙂 )
    freut mich sehr, dass es euch soweit dort gut gefällt, hoffe aber doch, dass ihr nicht für immer deutschland den rücken kehrt und euch doch bald wieder blicken lasst 😉
    ich verfolge eure abenteuer mit spannung und freu mich schon auf eine neue folge „banja und robi in australia“ 🙂

    schöne grüße aus dem frostigen deutschland & see ya

  2. hach ist das schön zu lesen!! ich lese eure Berichte auch sehr gern!! 🙂 du schreibst so wunderbar, das man sich rein fühlen kann!!

    ich freu mich auf die nächsten Berichte und mehr bIlder bitte…

    viele Umarmungen an dich, Robi und Bine!

    viele Herzen aus Berlin

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