Monatliches Archiv:Februar 2012

Schweitzerisch-deutscher Ausflug zum Uluru

Nachdem ich wieder etwas saumselig mit der Aktualität meiner Beiträge war, nähern wir uns allmählich wieder der Gegenwart.
Ziemlich kurz, nämlich zwei Tage nach unserer Ankunft, entschieden wir uns mit Jana (Deutsch), Michael (Schweizer) und Roger (Schweizer) einen Trip in die Mitte Australiens zu starten. Wir hatten noch eine Woche bis zum Arbeitsbeginn und ob wir nun eine Woche Unterkunft zahlen und rumhängen oder eine Woche ein Auto mieten und noch etwas erleben hat finanziell kaum einen Unterschied gemacht. So haben wir uns ganz spontan am Dienstag letzte Woche entschieden am Mittwoch ein Auto zu mieten loszudüsen. Wie der Zufall es wollte, konnten wir auch noch am selben Abend ein 4Mann-Zelt auf Gumtree (australisches Ebay-Kleinanzeigen) für schlappe 50 Dollar ersteigern. Die Schweizer hatten ihr eigenes Auto und wir wollten uns einen kleinen Toyota Yaris mieten. Allerdings hatte uns die Dame bei der telefonischen Vorbestellung einige Kosten unterschlagen, weshalb wir uns allesamt dafür entschieden zu fünft im Ford Falcon zu fahren. Ganz gegen mein Misstrauen von zu eng und zu heiß war es beinahe komfortabel. Dieses Auto war gegen unseren Van ein Luxusmodell. Es hatte Klima, wir konnten schneller als 70 km/h fahren und sogar elektrische Fensterheber gehörten zur Ausstattung. Wir sind die Straße entlang geflogen und auch ich durfte wieder auf´s Gas treten und endlich einen Roadtrain überholen. Wuhuuuuu… Man stelle sich vor: In South Australia ist es erlaubt mit drei Anhängern zu fahren und in Northern Terretory sogar mit fünf. Unglaublich diese Teile. Dieses Mal waren die Straßen nicht nur von toten Kängurus, sondern auch von toten Kühen gesäumt und dann wird deutlich was diese Roadtrains für eine Kraft haben.

Am ersten Tag ging es wirklich nur darum das Auto zu mieten, einkaufen zu gehen, Schlafsäcke + Iso-Matten zu besorgen und zum ersten Schlafplatz zu gelangen. Das lustige war, dass wir exakt denselben Weg einschlugen und dieselben Campingplätze ansteuerten wie ich es damals bereits getan hatte. In meiner Erinnerung hatte Schlafort Nr. 1 Rasen, aber dem war leider nicht so. Gleich am ersten Abend haben wir uns also einen Hüftschaden zugezogen und waren ziemlich gerädert als wir später Coober Pedy erreichen sollten. Unser erstes Ziel war das ehemalige Zuhause von Crocodile Harry. Auch da war ich bereits damals gewesen, allerdings konnten wir ihn dieses Mal nicht schlafend in seinem Bett beobachten 😉 Außerdem waren es keine 2 Dollar Spende mehr, sondern 5 Dollar Eintritt. Jetzt ist es ein Quasi-Museum und ob sich sein guter Freund nun daran bereichert oder nicht sei dahingestellt. In nächster Zeit soll ein Hostel in Harrys alter Miene entstehen, mehrere Dokus stehen an und er möchte ein Becken mit Krokos anlegen. Auf jeden Fall hat er uns viele interessante Dinge aus Harrys Leben berichtet, wie er auf Krokodiljagd ging und natürlich auch seine Leidenschaft zu den Frauen, was in seinem Zuhause kaum bemerkbar ist. Außerdem hat er uns noch einige seiner Opalfunde gezeigt. Jaja, dass Opalfieber! Angeblich soll es in Coober Pedy kaum noch Frauen geben, da diese von Höhle und 50 Grad Außentemperatur die Schnauze voll haben. Wer kann es ihnen verübeln. Nach Harry haben wir uns eine fantastische Pizza bei John´s Pizza schmecken lassen. Wer hätte gedacht, dass es an solch einen Wüstenplanetenort so gute Pizza gibt. Übrigens haben wir uns diese auf dem Hin- und Rückweg schmecken lassen 😉
Insgesamt wirkt diese Stadt wirklich wie von einem anderen Planeten. Nirgends gibt es ein grünes Fleckchen. Hier und da ein Bäumchen in dessen Schatten Aborigines chillen. Ansonsten viel Staub und Sand. Nicht ohne Grund wurde hier Mad Max III, Pitch Black (das Raumschiff haben wir uns angeschaut) und viele andere Filme gedreht. Übrigens sieht man wohl bei Mad Max am Ende sogar das „Haus“ von Harry?!

Nach einer etwas erholsameren Nacht auf dem nächsten Schlafplatz, erreichten wir am Freitag den Uluru. Wuhuuuuu!!! Ich frage mich, ob ich damals schon 25 Dollar (3 Tage gültig) für den Nationalpark bezahlt habe. Mein lieber Scholli, das ist nicht wenig. Und dann schlängelten wir uns 20 km die Straße entlang, um schließlich vor diesen gewaltigen orangenen Berg (für die Schweitzer eher Hügel) zu stehen. Wie auch damals entschieden wir uns wieder für eine Umrundung. Trotz der 11 km durch die glühende Hitze waren wir trotzdem immer noch total fasziniert von der Vielfältigkeit und Größe dieses australischen Merkmals. Wie kein anderes steht der Uluru (Ayers Rock) für Australien. Leider konnten sich meine Begleiter nicht so sehr am Sonnenuntergang erfreuen wie ich 😉 Ich finde es immer noch fantastisch, wie sich das Orange zu einem dunklen Ocker verändert. Am Samstag hatten wir nicht nur Kata Tjuta (Olgas) erkundet, sondern auch Michaels Geburtstag gefeiert. Wir waren alle derselben Meinung, dass die Olgas um einiges interessanter sind, als der Uluru, da sie einfach viel mehr Abwechslung, kleine grüne Oasen, Vogelgezwitscher und viel Schatten bieten. Nach einem kurzen Walk von 3km haben wir uns dann auch schon wieder in Richtung Adelaide aufgemacht. Während unserer Rückreise lernten wir auf einem der Campinggrounds Nico aus Frankreich und Wumbe aus Äthopien kennen. Nico dreht einen Film über Diabolo und die verschiedenen Styles die es in jedem Land gibt. Ich glaube er hat bereits die gesamte Welt bereist. Unglaublich! Aus seiner Leidenschaft hat er eine Berufung gemacht. Mich hat er jedenfalls gleich bekehrt. Ich muss unbedingt ein Diabolo bekommen!!! Damit kann ich mir in Asien wunderbar die Zeit vertreiben.

Und dann waren wir auch schon fast da. Es stand nur noch der Salzsee „Lake Hart“ auf dem Programm, was so ziemlich eines der Highlights war. Dort haben wir ordentlich Fotos geschossen und uns dann endgültig vom Outback verabschiedet. Nach solch einen wunderbaren Trip, mit wunderbaren Menschen, möchte man gar nicht zurück ins Hostel und arbeiten, sondern weiterreisen – einfach weiterfahren. Leider bleibt uns das für die nächsten 4 Wochen vergönnt, aber dafür gibt es dann eine große Entschädigung 😉

Auto verkauft ergo „Normales“ Backpackerleben

Was für ein Glück, dass wir tatsächlich innerhalb kürzester Zeit unser Auto verkaufen konnten. Ich war etwas traurig, da ich das Leben und Reisen im und mit dem Auto wirklich mochte. Auch an das Campen hatte ich mich schnell gewöhnt und es sogar genossen. Wir sind mit der Sonne aufgestanden und mit der untergehenden eingeschlafen. Auch die Unabhängigkeit die wir mit dem Auto besessen haben wussten wir zu schätzen. Unterwegs lernten wir immer wieder Australier kennen und haben die verschiedensten Ansichten über die unterschiedlichsten Themen gehört. Das war überwiegend interessant und lehrreich, andererseits auch oft ziemlich engstirnig und eigensinnig.
Jedoch überwiegt der erleichterte Teil in mir. Neben den vielen tollen Erlebnissen und Erfahrungen die wir gemacht haben bin ich der Meinung, dass wir durch dieses Auto mit dem realen Backpackerleben konfrontiert wurden. Australien ist kein Land in dem die Sonne immer scheint und alle Menschen freundlich sind und dir nur das Beste wünschen. Das Reisen mit Bus und Bahn und das Leben im Hostel ist so einfach. Das wahre Leben wartet auf der Straße und Campingplätzen 😉
Das Auto sollte bis zu unserem Reiseende unser ständiger Begleiter sein. Nun war nach 4 Monaten das Kapitel Roadtrip abgeschlossen und wir waren wieder ganz gewöhnliche Backpacker, die sich um ein Zimmer im Hostel kümmern, den Raum mit 10 anderen teilen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen müssen.

Nach 5jähriger Abstinenz und 4monatiger Autofahrt hatte ich vollkommen vergessen, dass auch Hostels ein Abenteuer sein können. Im Internet hatten wir verschiedene Seiten gecheckt, um das Hostel mit den besten Bewertungen ausfindig zu machen. Das Problem war nur, dass die meisten kein Zimmer frei hatten. So landeten wir in einem Hostel (Planet Inn – es klingt schon so nach Disco) mit 73%, was erst mal gar nicht so schlecht ist! Beim Betreten mussten wir über unterschiedlichste Backpacker steigen, die im Gang mit ihren PC´s rumlümmelten. Nach dem Einchecken fragte ich nach einem Schlüssel, worauf der Typ zu mir meinte, dass das hier alles ganz locker ist und die Wertsachen im Schrank im jeweiligen Zimmer verstaut werden. Ähm, OK… Wir hatten letztlich ein Zimmer, welches sich ziemlich nah des Backpackerknäuels auf dem Flur befand. Wie wir erfuhren gab es umsonst Internet und der WLan-Router war direkt direkt neben unserem Zimmer angebracht. Als wir unser Raum betraten war ich etwas enttäuscht, dass unsere Betten noch nicht bezogen waren. So wäre mir der Blick auf Matratze und Kissen erspart geblieben. Ich weiß ja, dass man nicht allzu viel erwarten kann, aber die Hostelbesitzer könnten doch zumindest so tun als wäre es sauber?! Auch ohne mich auf die Matratze zu legen wusste ich, dass ich am nächsten Morgen einen Hüftschaden erlitten habe und das Kissen hätte locker als Putzlappen durchgehen können. Ziemlich schnell stand für uns fest, dass wir hier nicht bleiben möchten und hatten wieder begonnen unsere Liste abzuarbeiten. Eines der wirklich gut bewerteten Hostels (92%?!?!?!?) meinte, dass wir einfach am nächsten Morgen gegen 11 Uhr vorbeikommen sollen und dann wüssten sie, ob etwas frei ist. Da wir eh noch einmal in die Stadt wollten, sind wir bei diesem vorbeigelaufen und konnten tatsächlich drei Plätze für den nächsten Tag reservieren.
Am nächsten Tag sind wir erleichtert aufgebrochen, um festzustellen, dass wir tatsächlich eine noch schlimmere Unterkunft gebucht haben. Während das andere Hostel zumindest noch saubere sanitäre Anlagen hatte, war in unserer neuen Bleibe einfach alles dreckig und keimig. In unserem Zimmer lag alles von der Perücke über den Tampon bis zum Calvin Klein Schlübber, was aber niemanden der Bewohner gehört hat. Die Duschen samt Toilette waren sowas von würgh!!!!!! Ob Duschen oder auf Toilette gehen, das Ziel bestand darin NICHTS zu berühren. Wenn wir Glück hatten gab es in der Küche für jeden einen Teller. Manche haben mit Plastikgabeln gegessen. Am schärfsten war die Euro Bar, die sich direkt unter unserem Hostel befand. Unsere Hälfte hatte direkten Zugang zum Innenhof der Bar und am Freitag und Samstag von 21-2 Uhr hatten wir das Vergnügen und zwar ganz umsonst Hip Hop und RnB zu lauschen. Fenster gingen nicht zu Schließen – Konsequenz: mittendrin statt nur dabei. Die nächsten zwei Tage versuchten wir erfolglos einen Hostelplatz zu buchen und fanden uns schließlich einfach damit ab.

Zum Glück waren wir in Perth, der angeblich schönsten Stadt von Australien. Ich mag Perth. Hier liegen Kleinstadtgefühl und trendy City nah beieinander. Alles ist schnell zu erlaufen und die freie Buslinie macht das Perth erkunden noch einfacher.
Außerdem ist Perth mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr die sonnenreichste Stadt Australiens. Von unseren 7 Tagen Perth hatten wir drei Tage lang schlechtes Wetter, wo wir nicht wirklich aktiv sein konnten. Allerdings haben wir die restlichen Tage mit allen drei freien Buslinien Perth entdeckt, waren im Western Australia Museum, in der Art Galery, haben ein öffentliches Konzert besucht usw. Nur sind während der Zeit in Perth so gut wie keine Fotos entstanden.

Am Montag hieß es dann Tschüss Marcel & Perth und Hallo Adelaide. ADELAIDE. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es uns wieder dahin verschlägt aber es war die schnellste Möglichkeit viel Geld verdienen zu können. Unser neustes Ziel heißt Asien. Wie und was wissen wir noch nicht. Aber zuvor heißt es die Festivalsaison in Adelaide durcharbeiten, dann die Great Ocean Road entlang düsen, Mariska besuchen und Fraser Island erkunden.

Freo

Wie in jedem Stadtführer beschrieben profitierte Fremantle (von den Einheimischen liebevoll Freo genannt) tatsächlich vom America´s Cup 1987. Viele der alten Gebäude wurden restauriert und erstrahlen wieder oder immer noch in ihrem ursprünglichen Glanz. Alles ganz nach meinem Geschmack! Überall gibt es kleine und größere süße Cafe´s, Restaurants, Shops und Galerien. Auch wenn wir es nicht wirklich genießen konnten, war es doch hübsch anzuschauen. Trotzdem haben wir uns einen Tag genommen, um Fremantle nicht nur visuell, sondern auch kulturell zu erkunden.

Entlang der westaustralischen Küste liegen einige Schiffswracks von denen der größte Teil noch nicht genau erforscht wurde. Anders verhält es sich mit der Batavia. Hinter diesem Schiffsschicksal verbirgt sich eine tragische Geschichte. 1629 lief das Schiff auf Grund und kenterte. Die Überlebenden konnten sich auf zwei verschiedenen Inseln retten und während sich der Kapitän des Schiffs und einige andere auf dem Weg nach Java machten, um Wasser und Nahrungsmittel zu suchen, kam es zu einer Meuterei und einem Massaker. Eine überaus bewegende Geschichte. Daneben war es faszinierend zu sehen was die Archäologen aus dem Wasser bergen konnten. Winzige Häkchen, Nähnadel, Spitze, Stofffetzen und das übliche wie Geschirr ähnliches, aber alles wunderschön. Außerdem wurde ein Teil des Schiffs geborgen und die Konstruktion im Museum nachgestellt.

An diesem Tag war es wieder furchtbar heiß und wir haben uns bei über 40 Grad durch die Stadt geschleppt. Das Museum war eine absolute Erholung. Danach liefen wir zum sogenannten Round House, welches keines ist. Es ist achteckig und das älteste Gebäude West Australiens. 1830 wurde es erbaut und diente bis in die 1850er als Gefängnis, bis dieses zu klein wurde. Anschließend kamen alle Gefangenen in das neu erbaute Gefängnis, welches wir uns auch anschauten.

Dieses Mal wollten wir es im wahrsten Sinne des Wortes wissen und haben eine Tour dazu gebucht. Unser Guide war supertrocken und jeden Witz den er gerissen hat, war dermaßen ausgeleiert, dass wir nur dachten: „Hör auf diesen Job zu machen.“ Das Gefängnis an für sich war allerdings wirklich beeindruckend. In meiner gesamten Weltenbürgerlaufbahn habe ich es noch nicht einmal in ein Gefängnis geschafft. Somit war es ein interessantes und aufschlussreiches Erlebnis. Damals war es tatsächlich eine Strafe. Wir haben uns dabei erwischt, dass wir ab und zu wirklich Mitleid mit den Bengeln hatten. Als etwas fülliger und großer Mensch wäre dir bequemes Schlafen vollkommen versagt geblieben.

Danach ging es mit hochroten Köpfen einkaufen und Tennis schauen.