Monatliches Archiv:Mai 2012

Ein Amerikaner, ein Pole und zwei Deutsche treffen sich in Battambang…  

Klingt wie der Anfang von einem schlechten Witz oder? 🙂 Arnoldo aus Texas lernten wir in Otres kennen. Er ist für zwei Jahre in Battambang, um Englisch zu unterrichten. Peace Chore! Außerdem hat er Kunst studiert und engagiert sich aktiv für die lokale Kunstszene. Er erzählte uns, dass am ersten Freitag jeden Monats der „Art Walk“ stattfindet. Ein kleines Kunstfestival, das noch in den Kinderschuhen steckt, wie die gesamte Kuenstlerszene in Battambang. Bevor der Khmer Rouge Herrschaft kamen die talentiertesten Künstler aus Battambang. Jedoch überlebte keiner und so entwickelt sich hier langsam etwas neues und sehr schönes! Das war Grund genug uns das nicht entgehen zu lassen und reisten gemeinsam mit Piotrek am 1. Mai nach Battambang.  

Unsere Unterkunft, dass „My Homestay“, befand sich etwas außerhalb der City, direkt vor dem Wohnhaus des Besitzers. Wir kamen gegen 21 Uhr an und obwohl wir für den darauffolgenden Tag gebucht hatten zauberte er uns ein typisches Khmer Essen auf den Tisch. Amok ist eine Art Curry, welches als Hauptzutat Fisch enthält. Serviert wurde uns das Fischamok im Bananenblatt und Reis. Soooo lecker! Danach erklärte er uns, dass wir nun Teil seiner Familie sind. Dementsprechend hat er sich um uns gekümmert. Immer mal gab es kleine Bananen oder Mango.
Im Buchungspreis war kein Frühstück vorgesehen, bekommen haben wir es trotzdem. Er wollte uns die Khmer Küche nahe bringen. Der Gedanke morgens Reis oder ähnliches zu essen passte nun so gar nicht zu meinen süßen Frühstücksgewohnheiten. Letztlich gab es drei verschiedene Frühstücksvarianten und jedes mal waren wir begeistert. Am Tag 1 gab es eine klare Nudelsuppe. Zutaten wie Gemüse oder Gewürze worden seperat gereicht. So konnte ich selbst entscheiden, ob es eine süße oder würzige Suppe werden soll. Der Tag 2 wurden mit gebratenen Nudeln gestartet. Ganz typisch wie man das Gericht aus Asien kennt. Das Frühstück des dritten Tages hat mir am meisten zugesagt. Leider habe ich den Namen vergessen. Es ist eine Art Eierkuchen, der für Vegetarier mit Sprossen oder eben mit Fleisch gefüllt wird. Dazu gibt es einen großen Teller mit verschiedenen Gemüse und eine süße Soße mit Erdnüssen.

Als sehr nützlich sollte sich der hauseigene Tuk Tuk – Service erweisen. Chang sprach sehr gutes Englisch, was Konversationen erleichterte und lange Zeit angesammelte Fragen konnten endlich gestellt werden. Mit ihm waren wir Bamboo Train fahren, auf einer sehr kleinen Weinverkostung, sahen eine Tempelanlage, eine Killing Cave, haben Millionen von Fledermäuse beobachtet, besuchten mehrere Handwerksbetriebe und so weiter. Es war wirklich sehr informativ.  

Ansonsten haben wir uns mit Arnoldo getroffen, Galerien bestaunt, einige Künstler aus Battambang kennenlernen dürfen und den Art Walk besucht. 5 Tage später haben wir schweren Herzens Battambang verlassen. Arnoldo hat uns versprochen uns in Berlin zu besuchen. Ich bin gespannt. Es wäre klasse!

Just another day in Cambodia

Die Busfahrt von Shianoukville über Phnom Penh nach Battambang hat einen eigenen Beitrag verdient. Zuerst haben wir uns gefreut, dass wir ganz vorne sitzen dürfen, da wir so über mehr Beinfreiheit verfügten. Allerdings wurde schnell klar, dass das wie Achterbahn fahren ist. Und da möchte ich auch nicht in der ersten Reihe sitzen.  

Zum Glück war die Geschwindigkeitsanzeige kaputt, ansonsten wären meine Augen panisch zwischen Geschwindigkeitsanzeige und Straße hin un her gezuckt. Rückspiegel brauch in Kambodscha auch kein Mensch. Ein ungeschriebenes Gesetz, und das wichtigste im Straßenverkehr, besagt: „Während des Überholvorgangs laut hupen, sodass der Überholte nicht ausschert oder in einer besonders kritischen Situation sich möglichst schnell darauf vorbereiten kann demnächst von der Strasse abgedrängt zu werden.“ Dies betrifft vor allem Motorrollerfahrer.  

Generell glaube ich ja, dass kambodianische Busfahrer total verrückte Typen sind, die keine Angst verspüren und wahrscheinlich zu viel Transporter gesehen oder Grad Turismo gespielt haben. Immer auf der Suche nach dem Kick, wird alles und überall überholt. Auch hier spielt die Hupe wieder eine wichtige Rolle. Wahrscheinlich um die Entgegenkommenden vorzuwarnen.  

Die Busse selbst haben allesamt schon bessere Zeiten erlebt. Zumindest die, die wir fahren. Das sind meist die Busse, in denen wir die einzigen „Ausländer“ sind. Robi und ich sind wirklich zu groß und breit für dieses Land. Wir quetschen uns zusammen auf die zwei Sitze und hoffen, dass die Stunden schnell vergehen. Aber was will man bei einer 12 Stundenfahrt für schlappe 10 Dollar + Knieschaden, Kopfschmerzen und Hupenalbtraeume erwarten.
 
Nachdem wir in Phnom Penh etwas verspätet ankamen, hieß es fix Tickets tauschen und Gepäck verstauen. Wir hatten wieder das Vergnügen in der ersten Reihe zu sitzen. Allerdings dieses mal hinter dem Busfahrer. 6 Stunden bis Battambang und nichts mit Beine austrecken und noch besserer Sicht auf die Straße.

Nach eine paar Stunden stand der übliche Stop an, um auf Toilette zu gehen oder sich etwas zu futtern zu besorgen. Wir kauften eine Ananas und als ich nach den Preis fragte, wurde ziemlich schnell klar, dass sich die Verkäuferin über uns lustig macht. Keine Scham oder der Versuch es unscheinbar zu machen. Lautstark schnitt sie mir meine Frucht und plapperte ziemlich laut etwas in Khmer, was der Rest des Marktes ziemlich lustig fand und alle Blicke waren auf uns gerichtet. Wir haben wahrscheinlich viel zu viel bezahlt, aber wat solls. Humor ist, wer über sich selber lacht.

The Beach…

Nach einer 5stündigen Busfahrt von Phnom Penh nach Shianoukville, fuhr uns ein Tuk Tuk entlang des öffentlichen Strandes – wo einem das Grauen kommt, da zu viele Touristen, Buden und Liegestuehle – in Richtung Otres Beach. Von einer befestigten Straße wechselten wir auf einen Feldweg, durch einen kleinen grünen Wald, über eine kleine Brücke zu einem Platz von wo das Meer noch nicht zu sehen war, aber wir konnten es bereits hören. Wir waren am Otres Beach angekommen. Auch wenn uns der Fahrer direkt abzog und uns den Strand entlanglaufen ließ, anstatt uns einfach direkt vor der Haustür abzuliefern, war das ein perfekter Einstieg.  

Weißer Strand, ruhiges blaues Wasser und wenige Menschen ließen mein Herz höher schlagen. Wir hatten uns im Everything is Everything eingebucht, welches von einem australischen Pärchen geführt wird. Die Bar oder auch Restaurant oder auch Wohnzimmer wurde als riesiges Strohiglo gestaltet. Dieses befindet sich keine 4 Meter vom Stand entfernt. Liegestühle, Hängematten und andere Sitzgelegenheiten laden zum herrumlümmeln ein. Ich war begeistert. Mikel empfing uns aufs freundlichste und zeigte uns unseren Bungalow, der mit dem nötigsten ausgestattet war. Ein Bett, ein Moskitonetz, ein Ventilator und eine Abstellmöglichkeit. Wir waren zufrieden.

Nachdem wir uns eingerichtet hatten, unternahmen wir einen kleinen Spaziergang entlang des Strandes. Es ist unglaublich wie ruhig und relaxed es hier zugeht. Der Strand ist ca. 3 km lang, mit etwa 20 Gasthäusern. Viel viel Platz und nur wenige Reisende. Anschliessend haben wir etwas gegessen, gelesen, am Strand rumgelümmelt und dem Sonnenuntergang entgegengesehnt. Traumhaft.  

Die meiste Zeit haben wir mit nichts tun zugebracht. Ich habe viel gelesen, wir haben relaxed, sehr gut gegessen, viele Gespräche geführt, haben uns eine Massage geben lassen, eine Bootstour unternommen, einen Roller ausgeliehen usw. Bloß kein Stress 😉 oder wie Piotrek sagen würde „Take it easy.“.  

Wir waren definitiv im Paradies angekommen. Was ist das für ein Luxus? Nachts wirst du von dem Geräusch der Wellen eingelullt und morgens sanft aufgeweckt. Was hier auch durch Kühe und Huehnchen etwas unsanfter geschehen kann. Zum Frühstück gönnst du dir einen Fruchtsalat, gehst noch einmal schlafen oder entscheidest dich für einen Gang ins Meer. Der Tag vergeht schnell und um den Abend zu beschließen schwimmst du dem Sonnenuntergang entgegen, trinkst noch ein Bier und schwatzt mit den anderen. So beginnt und endet hier jeder Tag. An manchen unternimmt man mehr und an anderen weniger.  

Bei solchen Vorzügen konnten wir uns locker damit abfinden, dass das Wasser zum Duschen braun war, wir manchmal stundenlang keinen Strom hatten oder ab und zu eine kleine Maus durch unser Zimmer marschierte. Besonders die Nächte ohne Strom waren meist die schönsten. Falls der Generator auch nicht so recht wollte, saßen wir bei Kerzenschein zusammen.  

Mikel gibt diesem Idyll noch eine Saison und dann wird es hier wohl genauso aussehen wie in Shianoukville. Leider!  

Wir möchten dieses Stückchen Paradies auf jeden Fall noch einmal wieder sehen! Die letzten Tage ließen mit viel Regen und Gewitter die Regensaison spüren und wir sind weitergezogen. Dazu bald mehr 🙂