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Mit dem Fahrrad nach Angkor Wat

Wie bereits erwähnt haben wir Andre in Siem Reap wiedergesehen. Den ersten Abend und den darauffolgenden Tag haben wir mit Siem erkunden verbracht. Alles zu Fuss. Die Hitze ist teilweise wirklich unerträglich. In Australien konnte ich bei 36 Grad noch locker 3km auf Arbeit laufen. Hier ist es Sauna, Ofen, glühende Kohlen, einfach viel zu heiß. Innerhalb kurzer Zeit perlen Wassertropfen das Gesicht hinab. Wir oder zumindest ich waren nach unserem Spaziergang ganz schön erledigt und das erste mal hatten wir kein Zimmer das mit Klima ausgestattet war, sondern mit Ventilator. Nach diesem Tag war ich wenig erfreut vom Andres Idee, dass wir mit Fahrrad nach Angkor fahren. Wie sollten die Jungs eine dehydrierte Anja auf dem Fahrrad zurückkarren.  

Eigentlich wollten wir um 9 Uhr los. Wirklich losgegangen sind wir soooo halb-, dreiviertelzehn. Für 1 Dollar am Tag haben wir drei zu kleine aber gut funktionierende Räder bekommen. Dann wollte Andre Suppe essen. Danach haben wir am nächsten Stand gehalten, um später wieder anzuhalten weil Robi essen wollte. Später gab es dann noch eine Mango und zu guter letzt noch sticky rice aus einem Stück Bambus, was übrigens wirklich lecker ist. So kamen wir erst gegen 12 Uhr in Angkor an.  

An diesem ersten Tag haben wir die kleine Tour (20 km) gemacht. Auf dieser Route befinden sich die meisten der bekannten Tempel. Die Grösse des Geländes unterschätzt man anfänglich total. Um sich der Relation bewusst zu werden: Zu einer Zeit, als in London gerade mal 25.000 Menschen lebten, waren es in Angkor bereits 1. Mio. Da nur den Göttern Stein vorbehalten war, sind leider keine der weltlichen Gebäude erhalten geblieben. Angkor Wat ist der best erhaltene Tempel und der am stärksten frequentierte. Außerdem wurde das Abbild auf der Flagge Kambodschas eingebracht. Die Kambodianer sind mächtig stolz auf ihr 8. Weltwunder. Zum Glück war  das auch Pol Pet, der während seiner Terrorherherrschaft einen großen Teil der Kultur der Khmer schlicht weg zerstört hat.  

Es ist unglaublich wie viele Touristen sich durch die Gänge schieben. Besonders am Tag 1 hat uns das neben der Hitze wirklich genervt. Man schaut sich nichts richtig an, sondern hofft nur, dass man sich bald wieder aufs Rad schwingen kann und den kühlen Fahrtwind im Gesicht spürt. Trotzdem sind diese Tempelanlagen das beeindruckenste, was ich je in meinen Leben gesehen habe. Wie gerne würde ich in die Vergangenheit reisen, um mir die Tempel in vollem Glanze anzusehen. Bayon ist einer der größten Tempel, welcher von 54 Türmen gekrönt ist. In jeden dieser Türme sind Gesichter gemeiselt, wobei der höchste Turm mit Gold beschlagen war. Gleich daneben befindet sich der Königspalast dessen Turm mit Bromzetafeln verziert war. Als man begann die Tempelanlagen von Gestrüb und Baumwurzeln zu befreien, entschied man sich eine der Anlagen so zu belassen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die Natur alles zurückholt. Dort wurde im übrigen auch Tomb Raider gedreht. Letztlich ließen wir einen Tempel aus und beschlossen wieder zum Hotel zu radeln. Um 19 Uhr erreichten wir, vollkommen im Eimer, unsere Unterkunft. Letztlich war das Radfahren wirklich eine gute Idee und ich bin froh, dass wir es auf diese Weise erkundet haben.  

Für den nächsten Angkor Wat-Besuch hatten wir uns vorgenommen eher loszuradeln, da wir doppelt soviel Kilometer fahren mussten. Die größere Runde hat weniger spektakuläre Tempel im Angebot, war aber dafür viel ruhiger und die Natur umso schöner. Leider war es an diesem Tag wirklich unerträglich heiß und wir mußten wieder einen Tempel auslassen. Ich spürte bereits wie mein Gesicht spannte und war mir sicher, dass ich mir einen Sonnenbrand im Gesicht zugezogen hatte. Wie sich später herausstellen sollte war das auch der Fall. Naja selber Schuld und ganz so schlimm war es auch nicht.  

Nach 5 Tagen Sie hieß es wieder mal Abschied nehmen von Andre, der nach Thailand weiterreisen wollte und wir nach Phnom Penh.

Grenzgänger

Bereits im Voraus hatten wir im Internet Berichte zum Grenzübergang gelesen. Dort hieß es, dass es am günstigsten und unkomplizieresten sei mit einem e-visa einzureisen. Dies beantragt man ganz einfach zwei Tage zuvor online. Damit ausgestattet erreichten wir die Grenzstadt Aranthrayapet. Von dort fuhr uns unsere erste weibliche Tuk Tuk Fahrerin zur Grenze.

Zumindest wollten wir dahin. Sie brachte uns natürlich zu einem Büro die uns ein Visum verkaufen wollten. Unwissende tun dies und bezahlen mehr. Natürlich bekommt man das Visa auf der kambodianischen Seite. Hätten wir uns nicht im Voraus belesen wären wir wahrscheinlich in dieselbe Falle getapt. Übrigens bekommen die Tuk Tuk Fahrer für jeden erfolgreichen Abschluss ein kleines Geld.

Jetzt mussten wir bei einer super Hitze zur Grenze laufen. Dort lernten wir einen Amerikaner kennen, mit dem wir das ganze Prozedere gemeinsam durchmachen konnten. Nach einer halben Ewigkeit des Wartens wurden wir mal wieder fotografiert, bekamen unseren Stempel und konnten aus Thailand ausreisen. Jusof hatte kein Visa, deshalb begleiteten wir ihn zum Visabüro. Nachdem er die 20 Dollar für sein Visa bereits gezahlt hatte, kam einer der Beamten nochmal zurück und verlangte noch weitere 10 Dollar Stamp Fee (eine Stempelgebühr). So waren wir mit unseren 25 Dollar pro Person ganz gut dran.

Danach liefen wir gemeinsam zur Passkontrolle. Mal wieder mussten wir einen Schriebs ausfüllen, warten, für das Foto lächeln und weiter gehts. Als nächstes bekommt man einen freien Shuttle zum Busbahnhof angeboten, was einem nach Thailand erstmal extrem spanisch vorkommt, aber es ist tatsächlich so. Von dort teilten wir mit dem Amerikaner und seiner Freundin das Taxi nach Siem Reap.

Während der Fahrt kamen wir in den Genuss kambodianischen Transportmöglichkeiten. Wir sahen Mopeds auf denen 3 bis 5 Personen saßen, Pkw`s mit bis zu 10 Insassen und unendlich viel besetzte Pick Ups. Unser Taxifahrer erzählte uns, dass er meist mit 4 Personen in der Front und 5 auf den Rücksitzen fährt.

Ich war bereits während der 2stündigen Taxifahrt immer wieder eingeschlafen und war wirklich froh als wir das Hostel erreichten. Nach einer Dusche konnten wir zum zweiten mal Andre in die Arme schließen 😉